Analyseergebnis: Im Scan (3) infizierte Dateien gefunden

Heutzutage muss man ja vorsichtig sein. Und leider auch vor allem als Frau. Sehr wahrscheinlich sogar nicht erst seit heutzutage, aber wenn Häshtägs wie MeToo und Oprah2020 hin und her fliegen, dann wird einem gerade momentan diese Prämisse besonders verdeutlicht.

Ich schreibe das jetzt zu einer Zeit, in der es kurz nach Silvester ist, die Party-Meile in Berlin eine „Damen-Zone“ eingerichtet hatte und in ausgewählten Drogeriemärkten Pfefferspray opportun gut sichtbar direkt an der Kasse positioniert feilgeboten worden ist. So etwas habe ich nicht einmal in Pfefferia zu Gesicht bekommen, wobei die meisten Deodorants dort ebenfalls eine sehr distinktive Pfeffernote hatten, was eine Unterscheidung eventuell erschwert.

Aber diese Art von Vorsicht, so bedauerlich die Notwendigkeit ihrer Vornahme auch ist, meine ich gar nicht.

Mir geht es eher um den Umgang mir unliebsamen Fremdeinwirkungen von außen.

Diejenigen, die einen nerven, stören, wütend und hilflos machen, wahrscheinlich sogar ekeln und bei denen einem schlichtweg die Spucke weg bleibt.
Nein, es ist wirklich nicht mehr das Thema siehe oben, sondern Viren!
Viren, Viren, Viren.
Wenn medizinisch gesehen virale Infekte nicht heil-, sondern lediglich behandel- und abmilderbar sind, wie man gerne hört, wofür sind dann all die Anti-Virus-Programme gut?

Ich stelle mir dann gerne eine Festplatte mit Fieberthermometer und Wadenwickel vor. Gott, was habe ich Wadenwickel damals gehasst! Mir war eh schon kalt unter drei Decken, da kommt sie an mit kalten, nassen Lappen, klatscht mir die um die Waden und wickelt alles dann auch noch in Plastiktüten vom Supermarkt. Hat bestimmt genauso viel geholfen wie Cola, Salzstangen und geriebener Apfel (Ernstes Gesicht mit abschätzigem Blick zur Seite). Aber Festplatten werden wohl weder Beine noch Waden haben. Dann eben Mainframewickel.

Aber gut, diese Programme erfüllen ja ihren Zweck und Dienst, wohl? Gegen Malware, Spyware, „WannaCry“, „Meltdown“, „Spectre“ und Trojaner sind die wohl scheinbar effektiv.

Nur was bringt einem ein Viren-Schutz-Programm, wenn in Social Media etwas viral geht? Man kann es teilweise in Realzeit verfolgen: Die Likes und Retweets steigen, während man auf den betreffenden Tweet schaut, ins Astronomische. Oder Kosmonautische. Egal, ob es RealUS-Präsidenten, Kanye Wests Gemahlin, Deine Lieblings-Youtuber oder jemand Berühmtes aus Deinem Umfeld mit oder ohne den Nachnamen Schmidt/Schmitt ist: Manches verbreitet sich schneller als Bakteriell-Virulentes in einer Petri-Schale.

Ich folge ja nicht vielen. Den Gängigen zum Beispiel gar nicht. Und die Politischen habe ich größtenteils entfollowen müssen, weil es zu sehr auf mein Gemüt schlug. @CuteEmergencyTV, @HereBeHuskies oder @moodvintage sind aber prima. Katzenbabies, die sich in Wäschekörbe verirrt haben schaue ich auch, ist ja klar. Und wer liebt nicht ein Gif mit tapsigen Nilpferdkindern? Eben. (Lächelndes Gesicht mit zusammengekniffenen Augen)

Aber selbst dann kommt man an gewissen Sachen leider trotzdem nicht vorbei. Die werden trotzdem retweetet und der Häshtäg verirrt sich trotzdem in den Tweet für ein garantiertes Optimum an Reichweitenmaximierung und gerät somit trotzdem in die eigene Timeline.

Und dann der Perfektionsdruck?

„Warum sind meine Bilder eigentlich so viel deprimierender als die der anderen?“
„Warum ist mein Leben nicht auch perfekt?“
„Was ist eigentlich falsch mit mir?“
(Gesicht mit geöffnetem Mund und kaltem Schweiß)

Und wenn es perfekt ist, dann steigern wir das am besten noch in ein perfekteres, optimaleres Leben. Da wird schon ganz schön schnell die Steigerung des Superlativs zur „normalen“ Messlatte für sozialen „Erfolg“ und Definitionsmerkmal eigener Werthaftigkeit.

Wenn die Welt daher manchmal ganz schlimm furchtbar ist, einem das Pastellton-„Darf’s ein bisschen mehr sein?“ auf den Keks geht und man Migräne bekommt vom ganzen „Hast Du das schon gesehen? LOL!“ und „Sein Likeverhalten ist eh schon immer sehr fragwürdig gewesen“ und dem obligatorisch-hysterischen Capslock-Gebrülle, dann ist hier ein kleiner Beipackzettel an Heilmitteln, die einem die elektronisch-soziale Global-Village-Klaustrophobie vielleicht etwas erträglicher erscheinen lassen:

  • Schließen Sie die Augen,
  • atmen Sie tief durch,
  • gehen Sie nach draußen (das ist da, wo das WLAN-Signal weg ist)
  • reden Sie mit jemandem in Person und in laut sprechen mit den Stimmbändern, dem Mund und/oder Gebärdensprache nach DGS.
    (Manchmal hilft es, laut ein Emoji zu sagen. Das konterkariert eventuell die postmoderne Postverbalität)
  • Alternativ können Sie an Ihr Lieblingsküchenutensil denken. Meins sind der Quirl und der kurze Cappuccino-Löffel

 

Fehllix („Lächelndes Gesicht mit Sonnenbrille“) la Gaffe

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Veröffentlicht von

fehllix

Vermisst Schluckauf.